Unterabschnitte

BRIDGE - Ethernet Bridging für Eisfair

Die Einleitung

Hierbei handelt sich um eine vollwertige Ethernet-Bridge, die nach dem Spanning-Tree-Algorithmus arbeitet. Für den Anwender scheint der Rechner an den konfigurierten Ports danach wie ein Layer-3-Switch zu arbeiten.

Das Menü im Setup-Programm

Das Menü im Setup-Programm ist wie folgt aufgebaut:

Die Menüpunkte dürften selbsterklärend sein, da sie keinerlei weitere Eingaben erwarten. Deshalb wird auf deren Funktion nicht weiter eingegangen.

Änderung der Konfiguration

Die Konfiguration kann über den Menüpunkt 'Edit configuration' geändert werden. Standardmäßig wird der Editor aufgerufen, der in der Environment-Konfiguration über die Variable 'EDITOR' festgelegt wurde. Wurden Änderungen an der Konfiguration vorgenommen, sollte der Server neu gebootet werden, damit diese aktiviert werden.

Die Konfigurationsdatei

In der Konfigurationsdatei, die über das Menü zugänglich ist, sind folgende Parameter vorhanden; wer sie von Hand editieren will findet sie unter /etc/config.d/bridge.

Die Parameter

BRIDGE_BOOTDELAY
- Startup-Verzögerung Da eine Bridge mindestens 2 x BRIDGE_x_FORWARD_DELAY in Sekunden an Zeit benötigt um aktiv zu werden ist diese Zeitspanne abzuwarten, wenn die Devices beim Start von Fli4l sofort benötigt werden um z.B. Syslog-Meldungen zu verschicken oder sich per DSL einzuwählen. Diese Zeit sollte also in diesem Fall mindestens 30 betragen.

Standardwert: 30

BRIDGE_N
- Anzahl der voneinander unabhängigen Bridges Jede Bridge ist von den anderen vollkommen isoliert zu betrachten. Es wird pro Bridge ein virtuelles Ethernet-Device angelegt, beginnend bei br0.

Sinnvoller Wert: BRIDGE_N='1'

BRIDGE_x_STP
- Das Spanning Tree Protokoll auf der Bridge aktivieren? Das Spanning-Tree-Protokoll erlaubt es, mehrere redundante Verbindungen zu anderen Switches zu unterhalten ohne daß es zu einem logischen Broadcast-Kurzschluß kommt. Die schnellste Verbindung wird hierbei aktiv gelassen und die anderen Verbindungen automatisch gekappt. Sollte die aktive Verbindung irgendwann getrennt werden, wird die nächst-langsamere Verbindung aktiviert. Dieser Fail-Over dauert jedoch eine Weile.

BRIDGE_x_PRIO
- Welche Priorität hat diese Bridge (STP-spezifisch), optional Die Bridge-Priorität ist wichtig für das STP-Protokoll, damit dieses richtig funktionieren kann. Der Node mit der geringsten Priorität in der aktuellen Landschaft gewinnt die Wahl zur root-Bridge. Die selbe Priorität sollte nur einmal vorkommen. Die Node mit der geringsten Priorität sollte die größte Bandbreite haben, da diese alle 2 Sekunden (oder HELLO-Time) Steuerpakete verschickt und auch der Haupt-Traffic über sie abgewickelt wird.

Wertebereich: 0-65535

BRIDGE_x_HELLO
- Stellt die HELLO Time ein (STP-spezifisch), optional Die HELLO-Time ist der Zeitabstand in Sekunden, in dem die sogenannten Hello-Pakete von der root Bridge verschickt werden. Diese Pakete sind sozusagen Heartbeat-Pakete, die für die automatische Konfiguration des STP-Netzwerkes nötig sind.

Standardwert: 2

BRIDGE_x_MAX_MESSAGE_AGE
- Die maximale Gültigkeitsdauer des letzten HELLO-Paketes (STP-spezifisch), optional Wenn innerhalb dieser Zeit (in Sekunden) kein neues HELLO-Paket kommt, wird eine neue Wahl der Root-Bridge ausgelöst. Deshalb darf dieser Wert _nie_ weniger als die HELLO-Time betragen und kann auch hier nicht kleiner als 2x die HELLO-Time eingestellt werden.

Standardwert: 20

BRIDGE_x_FORWARD_DELAY
- Verzögerung, nach der ein Bridge-Port auf aktiv gestellt werden kann (STP-spezifisch), optional Wenn ein Bridge-Port deaktiviert war und erneut aktiviert werden soll, z.B. auch wenn der Port grade neu hinzugekommen ist, dauert es diese Zeitspanne (in Sekunden) x 2 bis der Port in den Forwarding State wechselt. Dieser Parameter ist maßgebend für die Dauer eines möglichen Failovers verantwortlich.
Die Zeitspanne ist etwa diese: BRIDGE_x_MAX_MESSAGE_AGE + (2 x BRIDGE_x_FORWARD_DELAY) in Sekunden.

Standardwert: 15

Daraus ergibt sich im Default: 20 + (2 x 15) = 50 Sekunden Die Failover-Zeit kann minimiert werden, wenn die Hello-Time auf 1 Sekunde und die Max_Message_Age auf 2 Sekunden gestellt wird. Das Forward Delay kann dann auf ein Minimum von 2 Sekunden (2 x Hello) eingestellt werden: 2 + (2 x 2) = 6 Sekunden. Schneller geht's nicht.

BRIDGE_x_DEVICE_N
- Wie viele Netzwerkdevices gehören der Bridge an? Anzahl der Devices, die fest an die Bridge gebunden werden sollen. Kann auch 0 sein, wenn die Bridge nur als Platzhalter für eine IP-Adresse sein soll, die dann von einem an die Bridge gebundenen VPN-Tunnel übernommen werden soll.

BRIDGE_x_DEVICE_x_NAME
- Name des Netzwerkdevices Hier bitte je _ein_ Netzwerk-Device angeben. Also eth0 und so weiter. Diese hier genannten Devices dürfen _keine_ IP-Adresse in der Base- Konfiguration mehr erhalten!

BRIDGE_x_DEVICE_x_PRIO
- STP-Priorität (optional) Ist nur relevant, wenn mehrere Verbindungen mit der selben Path_Cost zum selben Ziel führen. Der Port mit der geringsten Priorität wird dann ausgewählt.

BRIDGE_x_DEVICE_x_COST
- STP-Traffic-Kosten (optional) Bestimmt die Traffic-Kosten für diesen Port. Desto geringer der Wert, desto höher ist die Bandbreite oder desto geringer die Kosten für Traffic. Die vorgeschlagene Berechnungsgrundlage ist 1000000/kBit/s, was zu den in Tabelle 14.1 aufgelisteten Werten führt.

Tabelle: Traffic-Kosten in Abhängigkeit von der Bandbreite.
1WLAN hat jedoch Netto weniger Bandbreite, daher sollte man hier ca. 190 angeben
Bandbreite Traffic-Kosten
64 kBit 15625
128 kBit 7812
256 kBit 3906
10 MBit 100
11 MBit 901
100 MBit 10
1 GBit 1


IP-Konfiguration der Bridge

Die IP-Konfiguration (IP-Adresse und Netzmaske) erfolge im Base-Paket im Abschnitt IP_ETH_N. Die Devicenamen der Bridge sind br0 für die erste Bridge, br1 für die zweite usw. Diese Devicenamen müssen bei IP_ETH_x_NAME verwendet.

ACHTUNG
Den einzelnen Devices der Bridge dürfen _keine_ IPs zugewiesen werden!


Ist beispielsweise IP_ETH_1_NAME='' und eth0 ein Device einer Bridge, ist die Konfiguration nicht zulässig, da durch IP_ETH_1_NAME='' dem Device eth0 die IP-Adresse IP_ETH_1_IPADDR zugewiesen würde. Sollte mit dem Eintrag die IP-Zuweisung für die erste Bridge erfolgen, muss IP_ETH_1_NAME='br0' gesetzt werden.

Anmerkungen

Eine Bridge leitet jede Art von Ethernet-Daten weiter - somit lässt sich z.B. auch ein normales DSL-Modem z.B. Über WLAN ansprechen als hätte es eine Funkschnittstelle. Es wird kein Paket, welches die Bridge passiert auf irgendwelche unerwünschten Aktivitäten hin untersucht (Firewall), wodurch der Einsatz z.B. als WLAN-Access-Point nur unter sorgfältiger Abwägung der Sicherheitsrisiken zu empfehlen ist.

Yves Schumann 2012-05-08